Aktuelle Zeit: 07.12.2019, 02:40




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 
 Bin verzweifelt und wütend 

Werbung wird nicht durch www.nachabtreibung.de bereitgestellt, sondern durch Google.
Autor Nachricht
Mit Zitat antworten
Beitrag Bin verzweifelt und wütend
Hallo liebe Leser/innen,

ich weiß nicht mehr weiter und werde meine Geschichte jetzt einfach mal von der Seele schreiben.

Ich habe meinen Mann vor 15 Jahren kenngelernt, wir waren sehr glücklich miteinander und es war klar,
daß wir Kinder haben möchten. Mein Mann hatte schon einen Sohn aus erster Ehe, aber das nur am Rande.
Nach einem Jahr Beziehung bekam mein Mann die Diagnose Hodenkrebs. Ein Schock und eine schwierige
Zeit begann mit vielen Ängsten und dem Gefühl der Hilflosigkeit. Ein Hoden musste entfernt werden, im
Anschluß bekam er meherere Wochen Bestrahlung, keine einfache Zeit.
Er hat zum Glück alles gut überstanden. Wir sollten dann aufgrund der Bestrahlung zwei Jahre mit der
Kinderplanung warten, aber er könnte auch mit einem Hoden normal Kinder zeugen war die Aussage der Ärzte.

Als die zwei Jahre vorbei waren fingen wir an zu probieren. Ich wurde schwanger, welch eine Freude. Doch
leider hatte ich in der 7. Woche eine Fehlgeburt und wir waren am Boden zerstört. Nach einer Weile versuchten
wir es wieder und ich wurde wieder schwanger, leider hatte ich wieder eine Fehlgeburt und war psychisch am
Ende.
Der dritte Versuch klappte endlich. Die Schwangerschaft verlief nicht einfach, aber unser Sohn wurde gesund
geboren und wir waren überglücklich.
Er wird diesen Sommer schon 10 Jahre alt. Wahnsinn.

Ich wollte gern ein zweites Kind haben. Mein Mann stimmte zu, ich denke aber er wäre auch so zufrieden
gewesen, er hatte ja schon den älteren Sohn aus erster Ehe. Wir probierten also aufs neue. um es kurz zu machen,
ich hatte drei weitere Fehlgeburten, der absolute Alptraum. Ich ließ mich untersuchen, Blut, etc. Mein Mann
ließ ein Spermiogramm machen, lag es evtl an der Bestrahlung? Es wurde bei uns beiden nichts gefunden.
Ich wollte mich damit nicht abfinden und las viel im Internet und fand die Fehlgeburtensprechstunde der
Uniklinik Heidelberg. Dort machte ich einen Termin, obwohl es 500km von uns im Norden entfernt ist und wir
fuhren hin. Dort fand man eine sehr, sehr seltene Gerinnungsstörung bei mir heraus. Endlich wusste ich woran
es lag, daß ich diese ganzen Fehlgeburten erleiden musste.
Daß unser Sohn geboren wurde ist also überhaupt nicht selbstverständlich.

Mit diesem Wissen versuchten wir wieder schwanger zu werden, aber es wollte einfach nicht mehr klappen.
Ich war mittlerweile 37 Jahre alt und somit haben wir es im Kinderwunschzentrum versucht. Ich bekam Hormone.
Es klappte nach 6 Monaten Hormontherapie mithilfe einer Insemination.
Ich bekam während der Schwangerschaft Blutplasma, alles verlief super. Unsere Tochter wurde 2013 geboren.
Ein absolutes Wunschkind für das wir einen harten Weg gegangen sind und so sehr gekämpft haben.
Sie ist unser Sonnenschein.
Ich hätte gern noch ein drittes Kind bekommen, ich liebe Kinder und hätte es einfach toll gefunden, aber
für meinen Mann war das Thema erledigt. Er war bei der Geburt unserer Tochter 43 Jahre alt und er wollte
nie ein alter Vater sein, für ihn war das altersmäßig die Grenze. Er wollte sich sterilisieren lassen, aber ich
habe dagegen geredet, fand das übertrieben und unnötig. Wir haben von da an mit Kondom verhütet.

Vor ein paar Wochen bemerkte er, daß das Kondom an der Seite eingerissen war und fragte mich ob ich nicht
vorsichtshalber die `Pille danach` besorgen will. Ich sagte ihm, daß das jawohl total übertrieben sei und
ich das für unnötig halte, ich bin mittlerweile schließlich auch schon 43 Jahre alt und nach unsere Geschichte
habe ich es nicht für realistisch gesehen.
Ich habe es dann sofort gemerkt, dieses Gefühl im Bauch....da ist was. Ich sagte es meinem Mann. Er wurde
total panisch, sagte, daß er das nicht mehr schafft und nicht mehr kann und auch nicht mehr will. Nach dem
positiven Test sollte ich sofort einen Termin zum Beratungsgespräch machen. Das tat ich auch.
Ich war völlig durcheinander, was für ein Wunder war da gerade geschehen... Ich habe mich gefreut, hätte nie
damit gerechnet. Und fand es einfach nur schön, daß das einfach so passiert ist. Das war doch ein Zeichen!
Ich sagte das so meinem Mann, der fand es gar nicht toll. Das war nicht geplant und auch nicht so gedacht und
er wollte sich ja sterilisieren lassen und hat mir noch gesagt ich soll die Pille danach besorgen, es war also
meine Schuld und ich konnte ihn doch jetzt nicht so reinreiten....
Also sind wir zum Arzt, relativ schnell, denn je länger es gedauert hätte, hätte ich es nicht mehr machen können.
Ich dachte mein Gefühlschaos wäre danach beendet. Ich habe dann diese Tablette genommen.

Als ich wieder zu Hause war, überrollte mich eine so heftige Gefühlswelle, daß ich nur noch weinend am Boden lag.
Ich war so unglaublich traurig und noch viel mehr durcheinander als zuvor. Mein Mann war total hilflos und wusste
nicht mehr weiter. Ich sagte ihm, daß ich das nie hätte tun dürfen, daß es ein Geschenk war und daß meine Seele
kaputt ist und ich nie wieder froh werden kann.
Er kann es nicht so richtig verstehen, unsere Kinderplanung war schließlich abgeschlossen...und wir haben schließlich
zwei gesunde Kinder und irgendwann ist auch mal gut.
Das ist jetzt vier Wochen her und es geht mir immer noch schlecht. Mein Mann redet nicht drüber und tut so als wäre
nichts gewesen. Ich habe mich total zurückgezogen, rede nur das Nötigste mit ihm und kann ihm auch nicht mehr in
die Augen sehen. Ich weiß jetzt, ich habe es nur für ihn getan, mein Herz wollte es eigentlich nicht. Ich habe selbst im
Wartezimmer geweint und er sagte nur, ich müsse mich jetzt zusammenreissen , ansonsten behandelt der
Arzt mich nicht. Er hat mich gedrängt...ich weiß nicht was passiert wäre wenn ich es nicht getan hätte... vielleicht hätte
ich es ausprobieren sollen, aber das kam mir auch nicht richtig vor.
Ich dachte, es muß für alle passen, sonst funktioniert es nicht und womöglich zerstöre ich unsere Familie.

Ich weiß nicht wie es weitergeht, wir sind momentan kein Team mehr und es ist nicht schön so. Wir waren immer
glücklich zusammen, aber im Moment sind wir gefühlsmäßig sehr weit voneinander entfernt und ich fühle mich
unverstanden und einsam.
Ich war nach dem Abbruch zwei Mal bei der Beratungsstelle um zu reden, nächstes Mal kommt mein Mann mit.
Ich hoffe, das bringt was. Ich weiß nicht was ich sonst noch tun könnte.

Ich weiß, das war ein langer Text, aber das musste gerade mal raus.

Viel Kraft für alle, denen es momentan auch nicht gut geht.


03.05.2019, 11:56
Mit Zitat antworten
Beitrag Re: Bin verzweifelt und wütend
Hey, ich hoffe Ihr packt das.

Ich habe vor 12 Jahren Abgetrieben. Manchmal geht es mir damit einigermassen, manchmal schlecht. Mir ging es damals ähnlich wie Dir, ich wusdte, dass ich das Kind behalten möchte. Habe auch mit der Tablette abgetrieben.

Ich habe den Fehler gemacht, keine Beratung in Anspruch zu nehmen.

Ich denke, dass ihr die Beratung besucht ist schonmal ein guter Schritt..

Ich wünsch Dir Kraft.


03.05.2019, 23:49
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot]


Du darfst neue Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu: