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Viel Spass (Zeitschrift)

Ein zweites Kind? Das würde ich niemals schaffen ...!
TRAUERARBEIT
Jessica Sennekamp gründete eine Online-Frauen-Initiative
(www.nachabtreibung.de)

AUS DER TIEFEN KRISE
half Jessica vor allem die Liebe ihrer Tochter Kim
Fröhlich tobt Kim (5) auf dem Spielplatz, kuschelt sich dann an ihre Mama, Jessica Sennekamp (24) streichelt ihr übers Haar, Liebevoll - und nachdenklich. “Wenn ich meine Kleine sehe, muss ich oft daran denken, dass ich mein anderes Kind nicht auf die Welt bringen konnte. Das tut so weh”, sagt sie.

Jessica war 20 Jahre jung und bereits Mutter, als sie wieder schwanger wurde.

Ungewollt. Trotz Verhütung. “Ich war gerade in der Ausbildung und wusste nicht, wie ich das schaffen soll mit zwei Kindern. “Von ihrem damaligen Freund konnte sie keine Hilfe erwarten. Sie wohnten nicht zusammen. Er war verhei-ratet und lebte bei seiner Familie. Er sagte nur: “Schatz, wir können das Kind nicht behalten.” Jessica hasste ihn dafür.

Doch die junge Frau aus Hamm entschloss sich trotzdem für eine Abtreibung. “Mein Herz sagte ja zu dem Kind, aber mein Freund und mein eigener Verstand sagten nein. Die überwog, dass ich nicht die Kraft haben würde.”

Eine Freundin begleitete Jessica schließlich in die Klinik. “Ich hoffte bis zu letzt, mein Freund würde kommen und mich von der Abtreibung abhalten. Aber er kam nicht.”
Kurz vor dem Eingriff schaute Jessica einmal ein Ultraschallbild ihres Babys an. “Ich bat die Ärzte, dass ich es behalten darf.” Als alles vorbei war, spürte sie Verzweiflung. Und Schuldgefühle. “Damals starb auch ein Teil von mir.”

Auch körperlich litt Jessica unter den Folgen. “Ich hatte starke Schmerzen und Blutungen, konnte mich kaum bewegen.” Ihr Freund rief sie nur kurz an. Die Beziehung zerbrach. Jessica zog sich völlig zurück. “Ich wurde depressiv, saß den ganzen Tag vor dem Computer, starrte einfach die Wand an oder schlief. Zum Glück war meine Tochter oft bei meinen Eltern, so dass sie das nicht mitbekam.”

“Jetzt kann ich in Ruhe trauern”

Dann stürzte sich Jessica in ihre Arbeit, aber die schrecklichen Erinnerungen holten sie immer wieder ein. Albträume und Panikattacken quälten sie. Doch irgendwann wurde ihr klar, dass es so nicht weitergehen konnte. “Meine Tochter brauchte mich doch.”

Weil sie sich nach jemandem sehnte, der das Gleiche durch-gemacht hatte wie sie, gründete sie die Fraueninitiative “Selbsthilfe nach Abtreibung”. “Es ging mir besser, als ich erfuhr, dass es viele Frauen ähnlich geht wie mir. Ich lernte, zu meiner Entscheidung zu stehen.” Das Ultraschallbild ihres Babys hat sie aufs Grab ihres Großvaters gelegt. “Ich habe nie Abschied von dem Baby nehmen können. Auf dem Friedhof kann ich jetzt in Ruhe trauern.”

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