Liberale Stimme Online (August 2004)
Die Zukunft der Konfliktberatung?
Frauen vor und nach einer Abtreibung diskutieren online
Die Selbsthilfe im Internet ist ein Thema, das in letzter Zeit immer wieder diskutiert wird - Betroffene können sich überregional austauschen, vielfach ist es nun auch möglich, für außergewöhnliche Leiden oder Lebenssituationen mit anderen Betroffenen Austausch zu pflegen und sich gegenseitig in Zeiten der Not beizustehen. Eine der faszinierenden Möglichkeiten, die uns die neuen Informationstechnologien bieten - doch echte Selbsthilfe für Frauen in Konfliktsituationen gab es bisher kaum.
Die Zukunft der Konfliktberatung?
Frauen vor und nach einer Abtreibung diskutieren online
Karsten Dürotin.
Die Selbsthilfe im Internet ist ein Thema, das in letzter Zeit immer wieder diskutiert wird - Betroffene können sich überregional austauschen, vielfach ist es nun auch möglich, für außergewöhnliche Leiden oder Lebenssituationen mit anderen Betroffenen Austausch zu pflegen und sich gegenseitig in Zeiten der Not beizustehen. Eine der faszinierenden Möglichkeiten, die uns die neuen Informationstechnologien bieten - doch echte Selbsthilfe für Frauen in Konfliktsituationen gab es bisher kaum.
Jessica Sennekamp aus Hamm, die Betreiberin des Online-Forums "www.nachabtreibung.de" bedauert, dass die Schwangeren online oft bedrängt werden. "Da gibt es zum einen die überzeugten Abtreibungsverfechter, die Zweifel kaum zulassen", merkt sie an, "zum anderen aber die meist kirchlichen Abtreibungsgegner, die es vor allem darauf anlegen, den Schwangeren ein schlechtes Gewissen zu machen". Zwar fand sie einige wenige Orte, wo sich die Frauen unabhängig von äußerem Einfluss austauschten, doch die Mediengestalterin sah: ein wirklich komfortables und gut betreutes Forum musste her.
Gesagt, getan, und nun steht die Seite online - mit einem übersichtlichen Layout und moderner Technik, einem Onlinepfarrer und einer ganzen Reihe aktiver Teilnehmer. Diese sind in den unterschiedlichsten Lebenssituationen - vor oder nach einer Abtreibung, auch Verwandte und Lebenspartner kommen in eigenen Abteilungen zu Wort. "Wir wollen zum Austausch zwischen allen Beteiligten beitragen - und zum gegenseitigen Verständnis, denn das Umfeld leidet ja auch mit", so Sennekamp.
Im Umgang mit der Presse ist die resolute junge Frau schon vorsichtig geworden - mehrere Angebote zur Teilnahme an Talkshows und Interviews lehnte sie ab.
Sicher eine Bestätigung für die wachsende Bekanntheit der Seite, doch sie witterte vor allem bei den Talkshows Gefahr: “Da wurden außer mir dann vier Abtreibungsgegner für die Sendung eingeladen und Streit lag schon in der Luft. So kann man doch nicht sachlich diskutieren!”
Weil diese sachliche Diskussion ihr aber besonders am Herzen liegt, äußert sie sich doch gelegentlich in der Öffentlichkeit zu "nachabtreibung.de":
“Die jungen Frauen sollen wissen, welch drastische Veränderungen und psychische Belastungen nach einer Abtreibung auf sie zu kommen. In manchen Fällen ist ein Schwangerschaftsabbruch sicher nötig und richtig, leicht aber wird es auf keinen Fall - und zwar auch für die Familie. Das muss man wissen, bevor man sich entscheidet.
Eine kürzlich begonnene Diskussion bei den Teilnehmern des Forums ist, ob man sich in irgend einer Form um eine Anerkennung als Schwangerschaftskonfliktberatung bemühen solle. Immerhin, so argumentiert man, erhalten die Schwangeren hier ja eine bessere Rundumberatung (inklusive psychologischer Betreuung) als in den meisten "offiziellen" Stellen.
Da dies aber einerseits schwierig nachzuweisen wäre, andererseits auch in finanzielle Bürokratie führen würde, scheint es aber im Augenblick so, als wenn man auf diesen Schritt verzichtet. "Die Administration verursacht schon jetzt viel Arbeit", berichtet die Webmasterin.
