„Kostenlose Verhütung für Geringverdiener“ *NEWS*
Trotz Rückgang bei Abtreibungen sehen Experten Handlungsbedarf
Kiel - In Schleswig-Holstein gab es im vergangenen Jahr weniger Abbrüche von Teenagerschwangerschaften als 2007. Auch insgesamt ging die Zahl der Abtreibungen gegenüber dem Vorjahr leicht zurück. Das teilte das Statistische Bundesamt gestern mit.
Demnach haben 3609 Frauen im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein ihre Schwangerschaft abgebrochen. Etwa fünf Prozent der Frauen waren noch Teenager unter 18 Jahren. Die große Mehrheit (73 Prozent) war zwischen 18 und 34 Jahren alt. In aller Regel erfolgte der Abbruch nach der Beratungsregelung: Danach kann die Schwangerschaft innerhalb der ersten zwölf Wochen abgebrochen werden, wenn sich die Frau zuvor bei einer anerkannten Stelle hat gründlich beraten lassen. Knapp drei Prozent der Abtreibungen wurden vorgenommen, weil dies medizinisch notwendig war oder die Frau Opfer einer Vergewaltigung geworden war.
„Die Zahlen zeigen nicht, welch schwierige Konflikte oft für die Frauen dahinter stecken: Sie treffen nämlich nach unseren Erfahrungen in aller Regel nicht leichtfertig diese Entscheidung“, kommentierte gestern Reiner Johannsen, Geschäftsführer von pro familia Schleswig-Holstein, wo man regelmäßig Frauen über Abbrüche und Alternativen berät. „Sehr viele Frauen tragen das Kind nicht aus, weil sie Sorge haben, mit einem Kind ihren Arbeitsplatz nicht halten zu können und so sozial abzusteigen.“ Neben finanziellen und beruflichen Problemen rangiere die Angst, das Kind belaste die Partnerschaft sowie die Furcht vor Überlastung, weil schon mehrere Kinder vorhanden sind.
Für Johannsen ist klar, dass Abbrüche verhindert und Frauen vor den physischen und psychischen Folgen eines Abbruchs bewahrt werden könnten, wenn Geringverdienern und Empfängern staatlicher Leistungen Verhütungsmittel bezahlt würden. „Nachdem ein entsprechender Vorstoß auf Landes- und Bundesebene ergebnislos war, bezahlt ab April Flensburg als erste Kommune in Schleswig-Holstein diesen Familien ärztlich verordnete Verhütungsmittel“, sagt Johannsen und hofft auf zahlreiche Nachahmer bei den Kommunen.
Der Rückgang der Abbrüche gegenüber 2007 um 2,1 Prozent bedeutet für Fachleute übrigens noch keinen Trend: Setzt man die Abtreibungen ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Schwangerschaften, dann kamen 2002 auf 1000 Geburten 149 Abbrüche - 2005 waren es 160 Abbrüche und im vergangenen Jahr dann 157.
stü
Quelle: kn-online.de

