Abgetrieben! Es fühlte sich an wie Mord
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Erlebnisbericht: Frauen
Hi,
ich möchte hier einfach mal meine komplette Geschichte erzählen, vielleicht kann ich damit anderen helfen / Mut machen...
Ich war damals 15 (Sommer 2001) und war mit einem Jungen aus meiner Klasse zusammen...ich hatte schon längere Zeit die Vermutung, dass ich schwanger bin, wollte es aber nicht wahr haben. Im Oktober hat dann die morgendliche Übelkeit bei mir eingesetzt, meine Mutter hatte mich schon darauf angesprochen ob ich denn schwanger sei, aber ich hatte nein gesagt, obwohl ich genau wusste dass es anders ist. Nach ein paar Tagen hatte ich mich dann endlich zu einem Test durchgerungen....er war natürlich positiv....ich (obwohl ich es wusste) war am Boden zerstört, da ich wusste das ich es abtreiben muss.....
Meinen Freund hab ich dann davon in Kenntnis gesetzt, der wollte von da an nichts mehr von mir wissen und hat mich (wir waren in einer Klasse) vor allen Gedemütigt und fertig gemacht. Ende Oktober bin ich dann zum Arzt, ich wollte die Abtreibung alleine durchziehen, da habe ich auch einen Ultraschall gemacht bekommen und sofort angefangen zu weinen...ich wusste dass es das erste und das letzte mal sein wird, dass ich mein Kind sehe...
Ein paar Tage später hatte ich dann meiner Mutter einen Brief geschrieben, anders konnte ich es nicht sagen....ich kann mich an diesen Abend, an jede Sekunde erinnern..den Brief hatte ich auf das Kopfkissen meiner Mutter gelegt und abgewartet bis sie ins bett geht...ich hörte ihre schritte auf der treppe, dass sie sich auf das bett gesetzt hatte....stille....dann ist sie wieder die treppen runter zu meinem vater....wieder stille....mein herz schlug mir bis in den kopf...und dann hörte ich wie mein vater hochgerannt kam und in mein zimmer stürmte....ich dachte er bringt mich um......er sah mich nur an und meinte: "Du brauchst gar nicht zu denken, dass du das Ding bekommst....ich nehm dich von der Schule....du kommst ins Internat.....ich will dich nicht mehr sehn.....!" Dann ging er aus dem Zimmer, meine Mutter stand die ganze zeit hinter ihm und sah mich dann an und schüttelte den Kopf: "Das hast du dir selbst zuzuschreiben"
Ich habe die ganze nacht geweint....und über Selbstmord nachgedacht....
Ich durfte nicht mehr in die Schule, hatte Hausarrest, Telefonverbot usw. meine Mutter ist mit mir zu ProFamilia und dann zum Arzt der den Abruch durchführen sollte...dann kam der 21.11.01, wir sind früh morgends in die Klinik...meine Vater hatte mich die ganzen Tage ignoriert...auch meine Geschwister redeten nicht mit mir.........ich weiß noch genau wie der OP-Raum aussah, wie ich auf dem Stuhl festgeschnallt wurde, die Krankenschwester war die einzige die mich tröstete...ich hab geweint als sie mir die Narkose setzten und in Gedanken hab ich mich von meinem Kind verabschiedet und mich 1 Mio mal entschuldigt.
Es hat Monate gedauert, bis meine Eltern, vorallem mein Vater wieder normal mit mir umgehen konnten.
An meinem 19. Geb. (2005) kam meine Schwester zu mir und meinte, dass sie schwanger sei.....auch sie hat eine Abtreibung durchführen lassen (sie war damals 23), sie bekam jede Unterstützung, meine Eltern haben sich um sie gekümmert, sie getröstet.......
Ich habe mich in diesen 9 1/2 Jahren sehr verändert.......charakterlich, seelisch, körperlich....es hat mich sehr belastet....aber ich habe gelernt damit umzugehn.....ich kann an mein Kind manchmal mit einem lächeln denken und manchmal mit tränen....ich weiß dass es mir verziehen hat und dass es gut aufgehoben ist......................
Ich kann für mich nur sagen, ich würde mich heute auch wieder für eine Abtreibung entscheiden, auch wenn es sehr schmerzhaft ist, aber ich werd in drei wochen 24 und hätte im Sommer dann ein 9jähriges Kind.......ich hätte alle meine Erfahrungen mit Kind nicht machen können........
Es soll jede Frau für sich selbst entscheiden was sie tut, ob behalten oder nicht....sie muss "nur" ein Leben lang damit klar kommen.....
Ich wünsche allen Frauen die solch eine Erfahrung, wie ich, machen mussten oder machen werden viel Kraft!!!!!!!
Kristin

