Latente Bedrohung: Das Post Abortion Syndrom
Diejenigen, die Abtreibungen anraten und durchführen, haben immer behauptet, dass es keine psychologischen Nebeneffekte bei der Abtreibung gäbe, und sicherlich keine Langzeit-Traumata. Das Problem solcher Aussagen liegt darin, dass diese Leute niemals an der Stelle saßen, an der sie die Folgeerscheinungen der Abtreibung bei einer Frau nach deren Vollzug auswerteten. Sie schickten sie nach Hause. Wenn Frauen Probleme hatten, wandten sie sich an andere Stellen um Hilfe.
von Professor Dr. med. Wanda Franz, Präsidentin des National Right to Life Committee
Was wissen wir über die schädlichen Auswirkungen der Abtreibung?
Diejenigen, die Abtreibungen anraten und durchführen, haben immer behauptet, dass es keine psychologischen Nebeneffekte bei der Abtreibung gäbe, und sicherlich keine Langzeit-Traumata. Das Problem solcher Aussagen liegt darin, dass diese Leute niemals an der Stelle saßen, an der sie die Folgeerscheinungen der Abtreibung bei einer Frau nach deren Vollzug auswerteten. Sie schickten sie nach Hause. Wenn Frauen Probleme hatten, wandten sie sich an andere Stellen um Hilfe.
Sämtliche gefährliche Auswirkungen geschehen viel später, lange, nachdem die Abtreibung vorüber ist. Dieses verspätete Reaktionsmuster erschwert die Einschätzung, Auswertung und die Erklärung des jeweiligen Problems erheblich. Tatsächlich brauchten die therapeutischen Fachleute äußerst lange für eine Berichterstattung über negative Wirkungen einer Abtreibung. Meiner Ansicht nach ist Abtreibung ein traumatisches Ereignis, welches negative Auswirkungen auf die Frau hat, deren tatsächliche Folgeerscheinungen aber verspätet auftreten können. Die Therapeuten haben irrationale Ängste und Depressionen beobachtet, die mit der Erfahrung einer Abtreibung verknüpft sind, und dieses Problem als Post Abortion Syndrom (PAS) bezeichnet.
Das Post Abortion Syndrom ist verglichen worden mit dem Posttraumatischen Stress-Syndrom, welches die Psychiater als Langzeit-Wirkung bei Veteranen des Vietnamkrieges anerkennen. Diese zeigten plötzlich Jahre nach der eigentlichen Kriegserfahrung ein pathologisches Verhalten. PAS scheint eine Form des Posttraumatischen Stress-Syndroms zu sein. Die American Psychological Association hat allein zwölf Jahre benötigt, um letztere als offizielle Störung bei Kriegsveteranen anzuerkennen.
Wir müssen einige wesentliche Fragen stellen. Sind alle Abtreibungserfahrungen automatisch mit Stress belastet, oder haben nur einige Frauen Probleme? Wenn nur bestimmte Frauen am Post Abortion Syndrom leiden, welche Charakteristika haben die mit diesem Risiko behafteten Frauen? Dies sind Fragen, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollständig beantwortet werden können. Es könnte verschiedene Kategorien an Folgeerscheinungen geben, so dass einige Frauen mit großem Stress reagieren, andere mit leichten Auswirkungen, während eine dritte Gruppe keinerlei Folgeerscheinungen erleiden könnte.
Andererseits glauben einige Therapeuten, dass jede Abtreibung bei der Frau ein Trauma verursacht. Abtreibung ist in erster Linie ein physisches Ereignis, welches einen Schock des Nervensystems verursacht und Auswirkungen auf die Persönlichkeit haben muss. Jede Frau, die eine Abtreibung vornehmen lässt, muss damit umgehen als soziale, emotionale, intellektuelle, geistige Tatsache. Die Therapeuten haben mit Frauen gearbeitet, die versuchten, die Folgeerscheinungen einer Abtreibung zu ignorieren. Aus dieser Arbeit heraus sind sie inzwischen der Ansicht, dass, je größer die Verdrängung ist, desto größer auch das Leid und der Schmerz sind, wenn eine Frau schließlich doch mit den Tatsachen der Abtreibungserfahrung konfrontiert wird. Um diese Erkenntnis und die Meinung und Forschung bezüglich PAS zu verstehen, ist es notwendig, dass wir die theoretische Orientierung der Therapeuten nachvollziehen können. Die erste Annahme ist, dass es in jedem Menschen unbewusst ablaufende Prozesse gibt, welche emotionale Zustände und letztlich das Verhalten kontrollieren. Wenn eine Tatsache zu unangenehm ist, hat ein Mensch die Möglichkeit, die Wahrheit zu unterdrücken oder sie in die unbewussten Teile des Gedächtnisses zu verdrängen, so dass er nicht in bewusster Weise darüber nachdenken muss. Dies ist eine wichtige Fähigkeit, weil sie davor schützt, über äußerst leidvolle Ereignisse nachdenken zu müssen. Eine zweite Annahme ist jedoch, dass tatsächliche Ereignisse zwar verdrängt werden können, sie aber dennoch unsere emotionalen Zustände und unser Verhalten weiterhin beeinflussen. Wenn zuviel Verleugnung stattfindet, traumatisiert der verdrängte Schmerz in einer anderen Form.
Aussagen von Ärzten folgend können Frauen Probleme bekommen, wenn sie nach einer Abtreibung diese Erfahrung verleugnen und verdrängen. Sie können große emotionale Erregung bezüglich Kinderthematiken zeigen, eine unrealistische Angst vor Ärzten, die Unfähigkeit, eine normale gynäkologische Untersuchung zu ertragen, das Geräusch eines Staubsaugers zu hören, sexuell erregt zu werden etc. Wichtig bei diesen Reaktionen ist es, zu wissen, dass dies irrationale Reaktionen auf vollkommen normale Ereignisse sind; und die Frauen haben keine bewusste Erkenntnis über deren Verbindung zu ihrer Abtreibungserfahrung. Ausschließlich durch eine Therapie tritt diese Verbindung häufig zutage.
Aus dieser theoretischen Perspektive heraus wird vermutet, dass selbst Frauen, die durch ihre Abtreibungserfahrung geschädigt sind, in gutem Glauben behaupten können, dass sie keinerlei negative Folgeerscheinungen haben, weil die Probleme unterdrückt wurden und die Frauen keine bewusste Erkenntnis darüber haben. Außerdem ergibt sich aus diesem theoretischen Rahmen, dass, je größer die Unterdrückung ist, desto stärker die Verleugnung, desto größer auch der Schaden, der der Persönlichkeit einer Frau zugefügt wird. Daraus kann gefolgert werden, dass jede Abtreibung negative Folgeerscheinungen hat.
Abtreibungsbefürworter haben vermutet, dass nur Frauen mit früheren Problemen Schwierigkeiten haben, mit Abtreibungserfahrungen fertig zu werden. Die Erkenntnisse der Frauen selbst zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Möglicherweise ist die Annahme richtig, dass Frauen mit früheren Problemen ein größeres Risiko für ernsthafte Schwierigkeiten eingehen. Wir haben schlicht und einfach keine Daten, um diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt zu beantworten. Wir können jedoch sicher daraus schließen, dass diese Frauen vor einem weiteren Trauma, welches durch Abtreibungserfahrungen ausgelöst wird, bewahrt werden sollten.
Welches sind die Probleme, denen eine Frau nach einer Abtreibung gegenübersteht? Zuerst und hauptsächlich ist es eine zwingende Notwendigkeit, sich der Tatsache des Ereignisses der Abtreibung zu stellen. Die Wahrheit ist, dass eine Frau, wenn sie sich der Abtreibungsprozedur unterzieht, darin einwilligt, bei der Tötung ihres eigenen Kindes mitzuwirken. Diese unangenehme Wahrheit schlägt all den Anforderungen ins Gesicht, welche die Gesellschaft an Frauen stellt, nämlich die Hilfsbereitschaft, die Liebe, die Mütterlichkeit. Es widerspricht genauso der biologischen Realität einer Frau, die in diesem Moment darauf ausgerichtet ist, für das wachsende ungeborene Kind zu sorgen und es zu ernähren. Die Rolle des "Killers" zu übernehmen, besonders des eigenen Kindes, bei dem sie doch eigentlich die Verantwortung anerkennt, es zu beschützen, ist für die Frau äußerst schmerzhaft und schwierig. Abtreibung verursacht einen solch großen Schaden und Widersinn gegenüber der natürlichen Ordnung der Dinge, dass sie automatisch ein Schuldgefühl auslöst. Aber eine Frau muss ihre Schuld eingestehen, um in der Lage zu sein, damit umzugehen.
Es gibt eine Denkschule, die von den meisten Abtreibungsbefürwortern geteilt wird, nämlich, dass die Anerkennung einer Schuld nicht nötig ist. Diese Leute behaupten, dass, wenn eine Frau sich schuldig fühlt, die Ursache darin läge, dass jemand "sie ihnen eingeimpft hat". Sie sind der Ansicht, dass die Frau von Lebensschützern gezwungen würde, "einen Schuldkomplex zu bekommen", welcher unnötigen Schmerz verursache und zu nichts führe. Zu trauern bedeutet, dass eine Frau eine Vorstellung von ihrem Kind hat, und dass sie für diese bestimmte Person, die gestorben ist, Trauer empfinden kann. Dies ist natürlich bedeutend schwieriger bei einem Kind, das sie nie gesehen hat. War es ein Junge oder ein Mädchen, welche Haarfarbe, welche Augenfarbe hatte er/sie? Das Problem ist im Falle einer Abtreibung verstärkt, weil der Körper des Kindes in der Regel zerstückelt und es für einige Frauen dadurch schwierig ist, an das Kind zu denken, wenn der vollständige Körper nicht mehr existiert. Wir wissen, dass dies ein Problem für Eltern sein kann, wenn ein älteres Kind einen gewaltsamen Tod erleidet, der den Körper beschädigt oder zerstört, und wenn es damit keinen wieder herstellbaren Körper mehr gibt, der bestattet und betrauert werden kann.
Welche Komponenten kann eine Lösung des Problems beinhalten? Zuerst muss die Frau eingestehen, dass das Kind tot ist, so dass sie trauern kann. Um dies zu erreichen, muss sie die Verdrängung durchbrechen, damit sie Schuld anerkennen darf. Dann kann die Schuld auf therapeutische Weise genutzt werden, um der Frau zu helfen, die Tatsache einer falschen Handlung zu akzeptieren, Vergebung zu suchen und dann geheilt zu werden. Therapeuten haben unterschiedliche Strategien entwickelt, um den Frauen zu helfen. Eine Strategie ist es beispielsweise, die Mutter zu bitten, das Kind zu visualisieren, indem man ihr eine Puppe als Repräsentant des toten Babys gibt. Sie wird ermuntert, der Puppe einen Namen zu geben und mit ihr über ihre Gefühle und ihren Kummer zu sprechen. Es gibt ihr eine Möglichkeit, sich gegenüber ihrem toten Baby zu "entschuldigen" für das, was sie getan hat, und sie beginnt mit dem Prozess der Trauer um das verlorene Kind.
Eine völlig andere Annäherung wird für diejenigen Frauen benötigt, die innerhalb etwa eines Jahres nach der Abtreibungserfahrung eine Selbsthilfegruppe von anderen Frauen aufsuchen, die abgetrieben haben. Diese Frauen haben in der Regel ihren Schmerz und ihre Schuldgefühle bereits anerkannt, aber sie benötigen jemanden, der ihnen in ihrem Kummer hilft. Hierbei gibt es eine Vielzahl von Problemen und Notwendigkeiten und eine Vielzahl von Strategien, um Frauen bei ihrem Heilungsprozess zu helfen. Trotz dieser Vielfalt gibt es eines, das allen Therapeuten gemein ist. Es ist die Überzeugung, dass die Heilung als eine geistliche Angelegenheit betrachtet werden muss. Pater Michael Mannion hat diese Haltung zusammengefasst, als er sagte, "Der Schöpfer des Lebens muss den Verlust von Leben heilen". Nur durch die Akzeptanz von Gottes Liebe und Vergebung kann die Frau geheilt werden.
Wie ist diese Heilung nun beschaffen? Kann sie das Ereignis der Abtreibung ausradieren, als ob es niemals stattgefunden hätte? Die Antwort auf diese letzte Frage ist "nein". Wie eine Frau es ausdrückte, "kann man von der Schuld geheilt werden, aber der Kummer ist immer präsent." Daher ist es die vorrangige Aufgabe der heilenden Erfahrungen, die schädlichen Folgeerscheinungen der nicht anerkannten Schuld zu überwinden, die Reue über diese Handlung aber dauert ein Leben lang.
Keine Intensität der Heilung kann die Tatsache der Handlung selbst ungeschehen machen. Das abgetriebene Kind ist eine tatsächliche menschliche Person, dessen Präsenz für die Mutter und die Angehörigen ihr ganzes Leben über bewusst bleibt. Neue Beziehungen, die die Mutter eingeht und entwickelt, werden durch diese Präsenz des toten Kindes beeinflusst. Kinder, die nach einer Abtreibung von dieser Frau geboren werden, haben ein totes Geschwisterkind, dessen Existenz Auswirkungen auf ihr Leben haben wird.
Wenn Therapeuten mit Geschwisterkindern von Abgetriebenen arbeiten, stellt sich heraus, dass die Eltern häufig ein pathologisches Schutzbedürfnis bei diesen Kindern zeigen, aus Angst vor deren Verlust durch einen Unfall oder Krankheit. Die unrealistischen Forderungen bei nachfolgenden Kindern ergeben sich aus der Notwendigkeit der Eltern, für das tote Kind ein neues zu bekommen, um dieses zu ersetzen. Diese Verhaltensweisen sind für die normale Entwicklung der Geschwisterkinder extrem schädlich. Somit können die Auswirkungen der Abtreibungen das Leben jedes Individuums betreffen, die in der Umgebung der Frau leben, einschließlich ihrer zukünftigen Lebensgefährten und ihre zukünftigen Kinder.
Wie beispielsweise sagt man seinen eigenen Eltern, dass ein Enkelkind getötet wurde und niemals mit ihnen Weihnachten feiern oder in den Zoo gehen kann? Wie sagt man einem späteren Kind, warum der Bruder oder die Schwester starb, und, noch viel wichtiger, warum ausgerechnet dieses spätere Kind nicht starb? Wie erklärt man einem möglichen späteren Ehemann die Abtreibung, der heiraten und eine Familie gründen möchte? Was, wenn die Frau unfruchtbar ist? Kann die Sterilität durch die Abtreibung verursacht worden sein? Dies sind grausame Fragen, die beantwortet werden müssen. Möglicherweise ist die Frau, die geheilt worden ist, in der Lage, mit diesen Problemen fertig zu werden, aber es wird niemals einfach sein und es wird immer schmerzhaft sein.
In welchem Sinne werden die Frauen durch Abtreibung zu Opfern? Wir wissen, dass die Mehrheit der Frauen, die eine Abtreibung hatten, andere Lösungen für das Problem einer ungeplanten Schwangerschaft bevorzugt hätten. Sie sind also eindeutig Opfer der Entscheidung anderer. Viele Frauen entscheiden sich jedoch selbst dazu, eine Abtreibung vornehmen zu lassen.
Können sie als Opfer angesehen werden? Die Daten über das Post Abortion Syndrom zeigen an, dass die Schuld und der Schmerz, die in einer Abtreibung selbst begründet sind, die Frauen zu Opfern machen. Eine Frau formulierte es dahingehend, dass eine Mutter, die einmal Mutter geworden ist, immer Mutter bleiben wird, unabhängig davon, ob sie das Kind zur Welt bringt oder nicht. Dieses tote Kind wird, so lange sie lebt, Teil ihres Lebens sein.
Abtreibung ist eindeutig keine "einfache Lösung" für ein schwerwiegendes Problem, sondern eine schädigende Handlung, welche im Leben der Frau dauerhafte Auswirkungen haben wird. In diesem Sinne ist eine Frau das Opfer ihrer eigenen Abtreibung. Und wir sind es der Frau schuldig, ihr diese Wahrheit über Abtreibung mitzuteilen. (Übertragung aus dem Englischen von Alexandra Maria Linder)
Wanda Franz ist Professorin für Entwicklungs- und Kinderpsychologie im Fachbereich "Family and Consumer Sciences" der West Virginia University in Morgantown, West Virginia. Seit 1991 ist Wanda Franz Präsidentin des "National Right to Life Committee", eine der größten Lebensschutzorganisation in den USA .
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Kommentare
ich kann nur zustimmen
Danke für diesen Beitrag!
Ich bin 36 und habe vor 21Jahren eine Schwangerschaftsunterbrechung machen lassen und leide heute noch darunter. Nun endlich fange ich endlich an über dieses Thema zu sprechen und mir"Luft" zu machen!
Danke nochmals!!!!


auf den Punkt gebracht
Hallo,
Dieser Beitrag ist ein wirklicher Meilenstein. Tatsächlich beschreibt Wanda Franz hier sehr sachlich, was eine Abtreibung, entgegen der gängigen Verharmlosung im gesellchaftlichen Konsens wie etwa Medien und Poltik, tatsächlich bewirkt. Und ich bin der Meinung, das es viel mehr solcher Statements im öffentlichen Raum geben sollte. Nur leider müssten dann die (wir) betroffenen Mütter sprechen- und das ist ja gerade "das Schwierige" an der Sache.
Viele Grüße
Lena