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Abtreibungsmethoden

Instillation/Salzlösung
Früher praktizierte Form der Abtreibung, als es noch keine Prostaglandine und kein Mifegyne gab. Diese Methode wird nicht mehr angewendet.


Ausschabung/Curettage (chirurgisch)
Nach der Aufdehnung des Muttermundes mit Hilfe von Hegarstiften kann der Embryo und die Plazenta entfernt werden. Danach erfolgt die Ausschabung der Gebärmutter. Sie ist teilweise auch nach anderer unvollständiger Abtreibung (Absaugung, Mifegyne) nötig. Deutschland: ca. 10 %. Diese früher gebräuchliche Methode ist durch die Absaugung abgelöst worden. Sie sollte ausser in Ausnahmefällen nicht mehr angewendet werden.


Absaugmethode/Vakuumaspiration (chirurgisch)
In der Bundesrepublik setzt die Einleitung eines Schwangerschaftsabbruchs in jedem Fall zunächst den Nachweis einer Schwangerschaft voraus. Beim Vorliegen einer frühen Schwangerschaft kann der Arzt zu einer schonenden Methode der Unterbrechung raten: der Absaugmethode, die auch unter den Bezeichnungen „Absaugkürettage" oder „Uterusabsaugung" bekannt ist. Sie wird heute als die schonendste und risikoärmste Methode angesehen. Nach Dehnung des Gebärmutterhalses wird ein Tubus, der an eine Absaugpumpe angeschlossen ist, in den Uterus eingeführt. Embryo und Plazenta werden von einem Unterdruck durch den durchsichtigen Tubus aus dem Uterus in eine Auffangflasche gesaugt. Dies ist die in Deutschland häufigste Methode (ca. 80 %) und wird meist zwischen 6. und 10. Woche nach der Empfängnis durchgeführt. Diese Methode kann aber bis zur 12. Woche (bzw. 14. Woche, gerechnet ab dem 1. Tag der letzten Regelblutung) angewendet werden.


Nidationshemmung
Teilweise wurden auch so genannte Nidationshemmer als Frühabtreibungsmittel bezeichnet. Diese verhindern eine Einnistung des Embryos in die Gebärmutter. Dazu zählten die vor mehr als 20 Jahren verwendeten Spiralen, die damals noch kein Kupfer oder Hormon enthielten. Die geringe Menge Kupfer in den heute gebräuchlichen Spiralen machen die Spermien befruchtungsunfähig, weshalb z. B. auch Eileiterschwangerschaften sehr selten sind bei Frauen mit Spirale.

Die so genannte Pille danach verhindert oder verzögert nach neueren Erkenntnissen bei Anwendung in der entsprechenden Zyklusphase den Eisprung, ist also ein Ovulationshemmer. Zuvor nahm man an, dass sie hauptsächlich als Nidationshemmer wirkt. Ob diese Wirkung zusätzlich zur der auf den Eisprung vorhanden ist, wird noch erforscht.

Der Straftatbestand Abtreibung bezieht sich in den meisten Ländern nur auf den Embryo nach Nidation, so dass Nidationshemmer juristisch gesehen keine Abtreibungsmittel sind. Aus ethischer Sicht werden sie allerdings häufig als solche betrachtet, da sie ein bereits entstandenes menschliches Leben daran hindern, sich weiter zu entwickeln.


Teilgeburtsabtreibung
US-Amerikanische Sonderform, selten eingesetzt, für späte Abtreibungen. Dabei wird die Geburt mit weheinleitenden Mitteln eingeleitet, der Fötus im Mutterleib ggf. gedreht und an den Beinen bis zu den Schultern herausgezogen. Dem Fötus wird dann das Hirn punktiert und ausgesaugt, so dass er stirbt. Die Methode ist komplikationsloser und wird als humaner angesehen als alternative Methoden zur späten Abtreibung, bei denen der Fötus in der Gebärmutter zerstückelt wird. Abtreibungsgegnern sehen jedoch den Hauptzweck darin, mittels juristischer Spitzfindigkeit - der Fötus befinde sich in der Entscheidungsgewalt der Mutter, solange sein Kopf die Mutter nicht verlassen hat - späte Abtreibungen erst zu ermöglichen. Die Diskussion darüber wird heftig, oft sehr emotional und mit unzureichenden Informationen geführt - verschärft seit Ende 2003 ("Partial Birth Abortion Ban Act 2003").


Prostaglandin-Hormon-Methode
(Spätabtreibung durch die Prostaglandin-Hormon-Methode.) In Deutschland werden jährlich um 2200 Spätabbrüche durchgeführt, das sind etwa 1,9 % aller Abbrüche. Bei Abbrüchen aus gesundheitlichen Gründen (medizinische Indikation) nach der 14. SSW ist die Kombination von Mifegyne gefolgt von einem Prostaglandin inzwischen die Standardmethode, da sie weniger risikoreich ist und weniger Schmerzen erzeugt als andere früher gebräuchliche Methoden wie etwa die alleinige Gabe von Prostaglandin. Dadurch wird eine künstliche Fehlgeburt bzw. Totgeburt ausgelöst. Ein Abbruch nach der 14. SSW wird wegen möglicher Komplikationen nur in Krankenhäusern durchgeführt.

Etwa ab der 22. Schwangerschaftswoche kann es bei Spätabbrüchen vorkommen, dass die Föten überleben, meist jedoch mit schweren oder sehr schweren Behinderungen. Das in Deutschland bekannteste Beispiel ist der als Oldenburger Baby bekannt gewordene Junge Tim. Um Lebendgeburten zu verhindern, wird deshalb bei möglicherweise gegebener Lebensfähigkeit des Fötus diesem oft Kaliumchlorid injiziert, welches einen Herzstillstand auslöst, oder die Blutzufuhr der Nabelschnur unterbunden (Fetozid), da nach dem Gesetz jeder Arzt verpflichtet ist, lebensverlängernde Intensivmaßnahmen nach der Geburt sofort einzuleiten, unabhängig vom Hintergrund der konkreten Situation.


Abtreibungspille Mifegyne / RU 486
(Medikamentöser Abbruch) Mifepriston, die früh er auch als RU-486 bezeichnete und heute unter dem Handelsnamen Mifegyne erhältliche so genannte „Abtreibungspille“, blockiert die Wirkung des Gelbkörperhormons (Progesteron) und führt zur Öffnung des Muttermunds. Etwa zwei Tage später nimmt die Frau ein Prostaglandin (Misoprostol, Handelsname Cytotec) ein, das dazu führt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und die Gebärmutterschleimhaut mitsamt dem Fruchtsack und dem Embryo ausstößt. Der Vorgang ist vergleichbar mit einem Spontanabort oder einer stärkeren Regelblutung. Die Einnahme der Medikamente erfolgt unter ärztlicher Aufsicht. Nach ein bis zwei Wochen ist eine Nachuntersuchung erforderlich.

Diese Methode wurde bis vor kurzem in den meisten europäischen Ländern und den USA bis zur siebten Schwangerschaftswoche p.m. eingesetzt. Seit Juni 2007 ist sie in der Europäischen Union bis zur 9. Woche zugelassen, Deutschland hat dies im Juli 2008 in nationales Recht umgesetzt.

In Deutschland werden etwa 10% der Abbrüche (2007), in der Schweiz 56% (2007) und in Schweden 61% mit dieser Methode durchgeführt. Der geringere Anteil in Deutschland ist unter anderem zurückzuführen auf die zeitliche Verzögerung durch Beratungspflicht und Bedenkzeit. Ob es einen Zusammenhang mit geringeren Verdienstmöglichkeiten der deutschen Ärzte bei medikamentösem Abbruch gibt, ist unklar.

Bei etwa 5 % der Behandlungen ist der medikamentöse Abbruch nicht erfolgreich oder es bleibt soviel Restmaterial in der Gebärmutter zurück, dass noch eine chirurgische Behandlung notwendig ist, die meist in Form einer Vakuumaspiration erfolgt.


Hysterotomie
Methode des Schwangerschaftsabbruchs bei fortgeschrittener Schwangerschaft. Die Hysterotomie stellt eine Art kleinen Kaiserschnitt dar. Durch einen Schnitt in den Unterleib wird die Gebärmutter geöffnet und Fötus und Plazenta herausgenommen. Da es sich hierbei um einen chirurgischen Eingriff handelt, ist ein Krankenhausaufenthalt unerlässlich. Eine Frau, bei der eine Hysterotomie vorgenommen worden ist (was nicht mit einer Hysterektomie, dem Entfernen des Uterus, verwechselt werden darf), kann wieder schwanger werden. Bei jeder weiteren Geburt wird jedoch in der Regel ein Kaiserschnitt notwendig sein.


Menstruationsregulierung
Bisher übliche Schwangerschaftstests sind bis zu 40 Tage (manchmal mehr) nach der letzten Menstruation unzuverlässig. Wenn eine Frau vermutet, schwanger zu sein, sie aber nicht so lange warten will, kann sie, um Gewissheit zu erlangen, in den USA den Gynäkologen bitten, eines der verschiedenen Verfahren der Menstruationsregulierung anzuwenden: die Absaugmethode, Extraktion oder Ausschabung. Diese Eingriffe sind dem Vorgehen beim Einlegen eines Intrauterinpessars ähnlich. Auch hier führt der Arzt ein kleines Instrument durch den Gebärmutterhals in den Uterus ein. Statt ein IUD einzulegen, löst er die Uterusschleimhaut durch Anlegen eines Unterdrucks ab und saugt sie heraus. Der ganze Vorgang dauert nur wenige Minuten und kann in einer Arztpraxis durchgeführt werden. Natürlich ist das Wort „Schwangerschaftsabbruch" hier nur dann richtig angewandt, wenn es sich tatsächlich um eine frühe Schwangerschaft gehandelt hat. Ist die Frau jedoch nicht schwanger gewesen und ihre Menstruation aus einem anderen Grunde ausgeblieben, ist die Bezeichnung Menstruationsregulierung genauer. Diese Methode nimmt eine Zwischenstellung zwischen Schwangerschaftsverhütung und Schwangerschaftsabbruch ein.


Kürettage
Die Kürettage ist eine ältere Methode; sie unterscheidet sich jedoch im Prinzip nicht wesentlich von der Absaugmethode. Wiederum wird zunächst der Gebärmutterhals erweitert. Ein löffelähnliches Instrument (die Kürette) wird in den Uterus eingeführt. Mit der Kürette schabt der Arzt dann Embryo, Plazenta und Schleimhaut von der Uteruswand ab. Die Operation wird in Narkose in einer Klinik durchgeführt.


Unterschiede zwischen chirurgischen und medikamentösen Abbruch

Die Beratung bekommt beim medikamentösen Abbruch eine wesentlich größere Bedeutung, insbesondere im Vergleich zur ärztlichen Tätigkeit.

  • Die Beratung dauert länger und ist intensiver, als bei einem chirurgischen Abbruch.
  • Es geht nicht nur um die (meist bereits gefällte) Entscheidung zum Abbruch, sondern die Frau muß in die Lage versetzt werden, zwischen zwei Behandlungsmethoden zu wählen, die sie selbst nicht kennt. Es geht also auch um die Vermittlung von Erfahrungen, welche Methode für welche Frau mehr beziehungsweise weniger geeignet erscheint.
  • Die anfängliche Beratung geht in eine Begleitung während der Behandlung über.
  • Die Kontinuität der beratenden und begleitenden Person ist ein neuer Faktor.

Da die Behandlung mit Mifegyne von Frau zu Frau sehr unterschiedlich verläuft, sind klare Voraussagen über den Verlauf und die körperlichen Symptome nicht möglich. Wir bereiten die Frauen deshalb auf das Unangenehmste vor, sagen aber auch, daß der Verlauf in den meisten Fällen undramatisch ist und einige Frauen keinen Unterschied zu einer normalen Regelblutung bemerken.

Ausgehend von den klassischen Schwangerschaftskonflikten wie

  • sozio-kultureller Konflikten
  • sozio-ökonomischer Konflikten
  • interpersoneller Konflikten
  • innerseelischer Konflikten

unterscheiden sich Frauen, die sich für Mifegyne entschieden haben unserer Beobachtung nach nicht wesentlich von denjenigen, die einen chirurgischen Abbruch gewählt haben. Erstere sind möglicherweise etwas kontrollierter, wenn man vorsichtig ein Resumee ziehen möchte. Auch können wir davon ausgehen, daß sie zumeist einen selbstbewußteren Zugang zu ihrem Körper und dadurch ein besseres Körpergefühl haben.

Was bedeutet der medikamentöse Abbruch mit Mifegyne für eine Frau?

Der große Unterschied zu einem chirurgischen Abbruch liegt darin, daß die Behandlung mit Mifegyne ein Prozeß ist, der sich über mehrere Tage hinzieht und bewußt erlebt wird, im Gegensatz zu dem kurzen punktuellen Eingriff der Saugcürettage. Es ist den Frauen fast nicht möglich, sich dieser aktiven Auseinandersetzung zu entziehen, da sie mit dem körperlichen Prozeß konfrontiert sind.
Sofern sie sich dieser Situation bewußt stellen möchten, kann es ihnen helfen den Schwangerschaftsabbruch entsprechend ihren Möglichkeiten und Ressourcen besser zu Verarbeiten. Die Frauen nehmen den Verlauf des Abbruches stärker wahr, sie sehen meist den außgestoßenen Fruchtsack oder bringen ihn sogar mit ins Krankenhaus. Dieser bewußte Prozeß ermöglicht eine aktive Verabschiedung und ein Abschließen der Situation.

Auch ist der Partner interessanterweise viel präsenter als bei einem chirurgischen Abbruch. Er erlebt den prozeßhaften Verlauf hautnah mit und nicht, wie bei einem chirurgischen Abbruch zumeist üblich, indem er die Frau zum Arzt bringt und sie einige Stunden später wieder abholt. wobei er mit dem Geschehen nicht wirklich etwas zu tun hat Hier übernimmt er vielmehr eine wichtige Rolle in der Betreuung und sollte deshalb von Anfang an dabei sein. (Natürlich nur sofern dies von der Frau gewünscht wird.) Durch das Miterleben erhält er auch die Möglichkeit die (meist falschen) Phantasien zu korrigieren.

Wie in jeder anderen Konfliktsituation ist auch hier der Verlauf von der Klarheit der Entscheidung geprägt. Je klarer die Frau für sich entschieden hat und je mehr Unterstützung sie hat, um so besser kann sie damit umgehen und um so unkomplizierter wird der Verlauf sein.

Was wir als Beraterinnen zu dieser Klarheit beitragen können, ist eine besonders ausführliche Information und eingehende Beratung bereits beim ersten Kontakt. Wir versuchen schon im Vorfeld abzuklären, welcher Frau wir dieses bewußte Erleben, psychisch und auch physisch, zutrauen können. In den meisten Fällen entscheiden sich die Frauen im Verlauf des Gespräches aufgrund der Informationen recht schnell für die Methode, die ihnen am ehesten entspricht. Gelegentlich ist das beim ersten (telephonischen) Kontakt jedoch nicht zu klären, weshalb mehrmalige Telefonate notwendig sind. Die Frage, wie weit wir einer Frau eher von Mifegyne ab oder zuraten sollen, ist dann eine Gradwanderung, bei der die Grenze zur Bevormundung schnell erreicht ist.

Aufgrund des mehrmaligen Kontaktes mit den Frauen entsteht eine Vertrauensbeziehung, die ein wichtiger Faktor für einen guten Verlauf der Behandlung ist. Dies heißt aber für die Beraterin, daß sie durch ihre Position in der Begleitung ein Teil des Prozesses wird. Auf der einen Seite ist damit ein intensiveres Sich-Einbringen in den Prozeß der Frauen verbunden, auf der anderen Seite erfordert es ein hohes Maß an Abgrenzung für jede einzelne Beraterin.

 

Gegenüberstellung von chirurgischem und medikamentösem Schwangerschaftsabbruch

 

  chirurgischer Abbruch medikamentöser
Abbruch
Durchführung durch einen erfahrenen Arzt (Verantwortung beim Arzt) die Frau nimmt die Medikamente (mehr Eigenverantwortung der Frau, mehr Konfrontation)
Verlauf in wenigen Minuten zieht sich über mehrere Tage:
1. Tag Mifegyne
3. Tag Prostaglandin
einige Stunden später: Ausstoßung (in 3-5% trotzdem ein chir. Eingriff notwendig)
zusätzliche Medikation örtliche Betäubung oder Vollnarkose evtl. Schmerzmittel
Blutung schwach stärker und länger
Komplikationen sehr selten: Verletzungen der Gebärmutter, Infektionen, Narkosezwischenfall schwere Komplikationen wurden mit dem verwendeten Prostaglandin nicht beobachtet
Nebenwirkungen evtl. Übelkeit nach der Narkose krampfartige Schmerzen, Übelkeit, selten Erbrechen, Durchfall
Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit möglich aber sehr selten, wenn Komplikationen auftreten keine beobachtet
Zeitpunkt, gerechnet ab dem 1. Tag der letzten Regel erst ab der 7. bis zur 14. Woche, gerechnet ab dem 1. Tag der letzten Regel
(7-9. Woche geringste Komplikationsrate)
möglich ab einem positiven Test, bis spätestens 49 Tage (7. Woche) gerechnet ab dem 1. Tag der letzten Regel
Vorteil Durchführung ist schnell, nachher kaum körperliche Beschwerden kann bereits sehr früh durchgeführt werden, keine Narkose, die Frau gibt die Kontrolle nicht ab
Nachteil erst ab der 6. Woche möglich, die Frau gibt die Kontrolle ab; evtl. Narkose die Frau braucht Zeit, die Behandlung zieht sich über mehrere Tage, stärkere Blutung; evtl. Schmerzen

"Frauen die zwei Jahre zuvor einen medikamentösen Abbruch hatten, unterscheiden sich nicht von denjenigen, die einen chirurgischen Abbruch hatten.Weder in ihrer Gesundheit, noch in ihrer psychischen Verfassung, noch beüglich ihrer Familienplanung. Nahezu alle Frauen legten jedoch großen Wert auf die freie Wahlmöglichkeit zwischen beiden Methoden des Abbruchs."
Medical abortion or vacuum aspiration? Two year follow up of a patient preference trial. Br J Obstet Gynaecol 1997

 

Quelle: mifegyne.at

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